Ireland is for lovers

Irland Trip / Picture Lena Ley

Für die meisten in der Surfbranche Tätigen und in Deutschland lebenden sind die Wintermonate DER Zeitpunkt um eine Weile die Segel zu streichen und sich auf die Reise zu machen. Selbst mal wieder Kiten statt nur am Telefon, Strand oder in Kiteshops darüber zu sprechen.

 

Die meisten von uns haben nach einigen Jahren des Ausprobierens persönliche Herzens-Orte für diese besondere Zeit des Jahres gefunden. Plätze, die sich mittlerweile anfühlen wie ein zweites Zuhause. Plätze, an denen wir wissen, wo es bei ablaufender Tide, SW Swell und 23 Knoten aus NW läuft, ohne dafür erst in den Stormrider zu gucken. Plätze, an denen wir am Spot mit den Locals quatschen, die zu unseren Freunden geworden sind. Plätze, von denen wir die meisten Geheimnisse zu kennen glauben und an denen wir dennoch immer wieder Neues entdecken. Plätze, die ein Stück „home away from home“ geworden sind. Mit den Bedingungen, auf die wir am meisten Lust haben – in meinem Fall: Welle und Wind für meinen 6er und 8er Ozone REO.

 

Ozone in Ireland / Picture Timm Wiegmann

Erneut hab ich also im vergangenen Winter meine Siebensachen gepackt und einige Zeit in der Brandon Bay und an der Westküste Irlands verbracht. Die Tatsache, nun tagtäglich an einem der besten und sichersten Wavespots der Welt aufzuwachen und in nur fünf Minuten am Strand sein zu können, lässt die zweitägige Anreise nach Irland im Van wie einen Spaziergang anmuten, den ich nur zu gerne auf mich nehme.

Irland ist Natur pur. 4,5 Millionen Einwohner, wovon mehr als ein Viertel in den drei größeren Städten wohnen – da bleibt ausreichend unbesiedelte Fläche in Küstennähe. Man könnte es Einöde nennen. Ich nenne es Idyll. Hinzu kommt: Die Kite- und Wellenreitbedingungen sind sensationell, die Locals von geradezu unglaublicher Freundlichkeit und die Pubs urgemütlich.

 

Rider: Ryan Coote / Picture Lena Ley
Sanja Ozone / Pic Timm Wiegmann

 

 

In diesem Jahr zog es auch Ozone Teamrider Fiete und seine Freundin Lena für ihren Wave-Fix nach Irland und so verbrachten wir die erste Woche meines Winteraufenthalts gemeinsam in der Brandon Bay.

 

Vor Ort trafen wir auf unseren ebenfalls tagtäglich kitenden oder surfenden Freund Ryan, der seinen Wohnsitz in die Brandon Bay, in Wellennähe mit optimalen Bedingungen, verlegt hat. Die Brandon Bay ist ein Wellenspielplatz erster Güte. Hier funktioniert fast jede Windrichtungen an einem der vielen Spots, die sich über die 12km lange Bucht aneinanderreihen. Die einzige Aufgabe ist es, das Optimum für die jeweilige Wind- und Swellrichtung herauszusuchen und sich zu entscheiden, ob man den Kite hochziehen möchte oder doch lieber paddeln oder windsurfen gehen möchte. Für die Kiterei funktionieren hier fast alle Windrichtungen von NW bis SW während man für die Wellenreiterei idealerweise einen Swell aus nördlicher Richtung haben möchte. 

Wir hatten ein wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Oder eher mit dem Wind, denn es schüttete teils wie aus Kübeln. Dennoch: Von der ersten Sekunde an feierten wir vier jeden Tag auf’s Neue epische Bedingungen. Die Krönung war wohl eine Session am letzten Tag des Jahres 2012 mit vorhergesagten 9,5m Swell und 50 Knoten plus, die sich in dieser extremen Form am Spot glücklicherweise nicht bestätigte. Die Brandon Bay schäumte bei dieser Vorhersage über, aber aufgrund unseres lokalen Tourguides Ryan fand sich ein Platz an dem die Wellen moderater – dafür aber umso sauberer - reinrollten.

 

Sanja Irland / Pic: Burkhard Blum

Auch der Wind passte strömungsbedingt tatsächlich für den 8er REO. Wenn Wind und vor allem Welle überall sonst vollkommen außer Rand und Band sind fängt diese Welle erst an zu laufen. Der Ein- und Ausstieg ist zwar in Ordnung, aber auf der Welle selbst sollte man sich wirklich extrem sicher fühlen - Hier an der falschen Stelle abgeworfen zu werden, führt dazu, direkt gegen das scharfkantige Steinriff gewaschen zu werden, welches dem Spot seinen morbiden Namen verleiht.

In den folgenden Wochen, nach Fietes und Lenas Abreise, ergab sich ein für Irland im Winter ungewohntes Windwetter. Anstatt der im Winters typischen, klatschnassen „south-westerlies“ kam der Wind wochenlang eisig kalt aus östlichen Richtungen. Dabei jagte ein westlicher Swell den nächsten und die Wellenreiter der Westküste kamen aus den Neos und dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Für’s Kiten bot dieses System wenig Möglichkeit an der Westzküste abzugreifen, aber dafür die Gelegenheit, die Spots der Ostküste, in Westcork zu bereisen und auzuprobieren. Auch hier ist die Landschaft atemberaubend und die Spots bieten saubere Lines und genügend Platz Kites zu starten und zu landen. Obwohl mit Cork die zweitgrößte Stadt Irland in der direkten Umgebung liegt ist es auch an diesen Spots sicher nicht überfüllt. Im Gegenteil freut man sich auch hier über jeden weiteren Kiter der einem auf dem Wasser Gesellschaft leistet

 

Irland / Foto: Sean "Rusty" O'Dwyer

 

So folgten einige Wochen wilden Crusens zwischen der Wellenreithochburg Lahinch, der Brandon Bay für gelegentliche Windausbrüche aus westlichen Richtungen und Cork um die östlichen Swells nicht außer Acht zu lassen. In den Wochen lernte ich wieder neue Freunde kennen, neue Spots und eine neue Stadt – und somit wiedermal Irland von einer anderen Seite. Unter allen Ländern, die ich bisher aufgrund unseres Sports bereist habe ist Irland mein Lieblingsland. Nirgendwo sonst sind mir die Leute so offen, interessiert und freundlich begegnet wie dort. Ganz egal ob im Lineup, am Strand oder im Bus – die Iren wirken geschmeichelt, dass man im Winter zu Besuch kommt, um Wellen und Wind mit ihnen zu teilen. Dazu kommt die absolut atemberaubende Landschaft mit den ihr nachgesagten 40 shades of green, waschechtem Cloud-Porn und Bedingungen für jedes Skillset.

 

Sanja / Foto: Timm Wiegmann

Zugegeben: Es regnet. Öfter mal. Aber ohne Regen gibt’s nun mal weder diese unglaubliche Wolkenbilder noch die grüne Wiesen mit den glücklichen Schafen. Und die Regengüsse sind meistens so schnell wieder vorbei wie sie intensiv sind. Anders als in der Heimat zieht es sich nämlich nicht in einem tagelangen Prozess zu um sich dann nieselnd einzuregnen. Das Wetter ist extrem wechselhaft. Lashing rain sideways gefolgt von strahlendstem Sonnenscheine – everything’s possible in Ireland. Die Temperaturen bewegen sich auch im Winter über dem Gefrierpunkt, wenn auch selten im zweistelligen Bereich. Das Wasser ist, bedingt durch den vorbeifließenden Golfstrom auch im Dezember mit rund 7 Grad noch in Ordnung. Mindestens einen gut sitzenden Winterneopren mit Haube, Handschuhen und Booties sollte man allerdings schon dabei haben – besser zwei. Windmässig darf man sich (normalerweise) schon gerne auf einige Tage mit dem 6er einstellen, wenn man den Winter in Irland verbringt. Auch der 4er kommt hin und wieder zum Einsatz. Grundsätzlich ist der Otto-Normal-Kiter jedoch mit 6,8,10 gut ausgerüstet, um während eines winterlichen Irland-Urlaubs viel Zeit auf dem Wasser zu verbringen.

 

Also auf geht’s: Den dicken Neo mit Haube, die Booties und Handschuhe aus dem Schrank gepult und los geht’s im kommenden Winter nach Irland.

 

 

 

Danke für die Bilder an Burkhard, Lena Ley, Sean "Rusty" und Timmy Wiegmann!

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Pierre Ehler (Freitag, 25 Oktober 2013 14:57)

    Hallo, Sanja.
    Tolle Bilder, machen Lust den Spot mal zu besuchen...
    Sind die Temperaturen zum aushalten,oder ist es so wie hier, ne Stunde kiten und dann Raus aus dem kalten Wasser...
    Lg von Fehmarn
    Pierre.